2026–09–28T14:13:37GMT+0200
Peter Fröhlich Soil to Soul regenerative Landwirtschaft Syngenta

Zusammen mit seiner Frau Yvonne übernahm der Agronom Peter Fröhlich im Jahr 2018 den elterlichen Hof. Als sein zweites Kind mit einer seltenen Genkrankheit zur Welt kam, befürchtete Fröhlich, dass ein Insektizid daran mitschuldig sei. Mit der steigenden Sorge um den Klimawandel stellte der Pflanzenschutzexperte (2005–2011 bei Syngenta) alles infrage, was er zuvor gemacht hatte. Seinen 22 Hektaren grossen Betrieb mit Kürbissen, Zuckerrüben, Raps, Mais und Weizen sowie 6 Hektaren Grünland mit acht Angus-Mutterkühen stellte er ganz auf regenerative Bewirtschaftung um.

Peter Fröhlich Soil to Soul regenerative Landwirtschaft Syngenta
Leben fördern statt vernichten

Fröhlichs oberstes Prinzip lautet: Leben fördern statt vernichten. «Im klassischen Ackerbau sterilisieren wir das System zuerst mit dem Pflug und den Herbiziden. Dabei befinden sich 90 Prozent des Lebens auf einem Betrieb im Boden», sagt der Betriebsleiter. Die wichtigste Massnahme, um dieses Leben zu fördern, ist die permanente Bodenbedeckung durch vielfältige Zwischenfrüchte, die das Mikrobiom vor Hitze schützen.

Wer heute über Fröhlichs Felder geht, sieht kaum nackte Erde – stattdessen wuchert es grün, selbst zwischen den Kulturreihen, und der Boden fühlt sich feucht und locker an, auch an heissen Sommertagen. Ein fixes Rezept dafür gibt es allerdings nicht; regenerative Landwirtschaft sei kein starres Label, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Sein Ziel lautet dabei nicht mehr blind «mehr Ertrag», sondern Aufwandreduktion: So strebt er etwa einen Zielwert von nur 30 Litern Diesel pro Hektare und Jahr an. Die Grundlage für einen gesunden Boden ist für ihn ein «Zuviel an nichts» – nicht zu viel Düngung, nicht zu viel Pflanzenschutz, nicht zu viel Bodenbearbeitung.

Peter Fröhlich Soil to Soul regenerative Landwirtschaft Syngenta

Einen abrupten Wechsel von konventionell zu regenerativ – etwa die Umstellung vom Pflug auf die Direktsaat – empfiehlt Fröhlich wegen der anfänglichen Ertragsrisiken niemandem. Wird die Umstellung jedoch schrittweise umgesetzt, muss mit keinen Ertragseinbussen gerechnet werden. Zwar sieht sein Zuckerrübenfeld weniger homogen aus als das konventionell bewirtschaftete Nachbarfeld, das optisch rund 20 Tonnen Mehrertrag pro Hektare verspricht. Doch Fröhlich rechnet anders: «Kalkuliert man die eingesparten Kosten für Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und Überfahrten ein, halte ich finanziell mit – bei deutlich verbesserter Bodengesundheit.»

Die Messgrössen des Bundes sind dem Agronomen ein grosser Dorn im Auge. Bei der staatlichen Biodiversität würden nur die Vielfalt, nicht aber die Menge des realen Lebens gemessen. Auch bei den Düngungsnormen der Suisse-Bilanz würden nicht alle Aspekte berücksichtigt. «Es wird flächendeckend dieselbe Norm angewendet – ungeachtet der realen Nährstoffabfuhr.»

Peter Fröhlich Soil to Soul regenerative Landwirtschaft Syngenta
Angst vor unbewussten Fehlern

Besonders beim Humusaufbau sieht Fröhlich einen Systemfehler: Für jede Tonne Kohlenstoff, die dabei im Boden gebunden werden soll, seien zusätzlich zur normalen Pflanzenversorgung circa 100 Kilo Stickstoff und 10 Kilo Phosphor nötig – ein Nährstoffüberschuss, der mit den restriktiven Vorgaben der Suisse-Bilanz schlichtweg unmöglich und illegal sei. Zudem belaste die Angst vor unbewussten Fehlern im bürokratischen Dschungel die Betriebsleiter massiv.

Peter Fröhlich Soil to Soul regenerative Landwirtschaft Syngenta
«Soil to Soul»

Die Bewegung und Wissensplattform «Soil to Soul» setzt sich für gesunde Böden, regenerative Landwirtschaft und eine nährstoffreiche Ernährung ein. Dazu gehört das Symposium, welches vom 28. bis 31. Oktober in Zürich stattfindet, in Medienpartnerschaft mit dem «Schweizer Bauer».

https://sotoso.org/


Weitere Artikel

Eine Familie wagt den Sprung ins Ungewisse.

Tiervielfalt, Innovation und eine Brennerei.

Die Geschichte einer Drogiere für Tiere.

Ein Geschwisterpaar und sein Weg in die Selbstständigkeit.

Ein Quereinsteiger geht ungewohnte Wege.

Ein innovativer Biohof stellt sich vor.

Marianne Bernhart gibt Einblick in ihren Berufsalltag. Seit fast 35 Jahren ist sie in der gleichen Firma tätig.