2026–09–01T14:27:26GMT+0200
Riz du Vully Reisanbau Schweiz Léandre Guillod

Auf dem Broye-Kanal, der Verbindung zwischen dem Neuenburger- und dem Murtensee, tuckert ein Motorboot. Unzählige Libellen schwirren umher. Und die Sonne heizt an diesem Vormittag im August unerbittlich ein – wie schon so oft in diesem Sommer. Dem Nassreis auf den Feldern von Léandre und Maxime Guillod auf der Nordseite des Mont Vully in der gleichnamigen freiburgischen Gemeinde gefällt dies: Er gedeiht prächtig.

2019 haben die Brüder das erste Mal Reis angebaut. Damals noch ein Novum im Schweizer Mittelland. «Technisch war es eine Herausforderung, ebenso gross war der Arbeitsaufwand», erzählt Léandre Guillod rückblickend. «Doch wir konnten die Ernte super verkaufen, und so haben wir uns entschieden, in diesen Betriebszweig zu investieren», sagt der Agronom. Mittlerweile produzieren Guillods auf einer Fläche von rund zwölf Hektaren fünf verschiedene Sorten Reis. Einen Teil davon an einem zweiten Standort in der Nähe von Aarberg BE, rund 20 Kilometer entfernt.

Riz du Vully Reisanbau Schweiz Léandre Guillod

«Technisch war es eine Herausforderung, ebenso gross war der Arbeitsaufwand», erzählt Léandre Guillod rückblickend.

Riz du Vully Reisanbau Schweiz Léandre Guillod
Riz du Vully Reisanbau Schweiz Léandre Guillod

Um die Verarbeitung, Verpackung sowie die Vermarktung der Ernte als «Riz du Vully» und «Aare Riis» kümmern sie sich selbst. Einerseits via Webshop, andererseits verkaufen sie rund drei Fünftel des Reises über zahlreiche kleine Läden. «Mit dieser Strategie behalten wir unsere Unabhängigkeit», sagt Léandre Guillod. Und letztlich auch die Hoheit über die Preisgestaltung. 700 Gramm Reis kosten im Webshop 9 Franken. Zum Vergleich: Im Detailhandel gibt es 1 Kilo aus dem Ausland für rund 3 Franken zu kaufen. «Wir wollen unseren Reis nachhaltig und entsprechend auch wirtschaftlich produzieren», so der Betriebsleiter.

Riz du Vully Reisanbau Schweiz Léandre Guillod
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Entlang eines Gewässers

Noch vor dem Reis spezialisierte sich die Familie Guillod auf den Anbau von Nüsslisalat. Mit einer Fläche von circa zehn Hektaren ist das heute weiterhin ein wichtiges Standbein des Betriebs. Nüsslisalat reagiert empfindlich auf Staunässe. Ein häufiges Problem in den künstlich entwässerten Feldern im Grossen Moos, das sich durch den Abbau der organischen Substanz und den damit verbundenen Sackungen zusätzlich verstärkt. Aus diesem Grund begannen Guillods ihre Felder zu planieren. Sie investierten in die dafür notwendige Technik, die sie im Lohn auch bei Dritten einsetzen, und legten mit der Nivellierung den Grundstein, um ein Reisfeld fluten zu können. Weiter braucht es einen Damm, eine Pumpe und vor allem genug Wasser in der Nähe.

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Die Universität Neuenburg führt zurzeit eine Studie durch, um zu quantifizieren wieviel Wasser beim Anbau verdunstet.

Riz du Vully Reisanbau Schweiz Léandre Guillod

Das Wasser wurde abgelassen und nun geht der Reis ins Reifestadium.

Die Menge, die im Laufe der Kulturdauer benötigt wird, variiert je nach Niederschlag. «Wir brauchen sehr viel Wasser», sagt Léandre Guillod. Der grösste Teil davon versickere jedoch und verbleibe so im Grundwasser, ergänzt der Landwirt. Um zu quantifizieren, wieviel dennoch verdunste, laufe aktuell eine Untersuchung mit der Universität Neuenburg.

«Durch den Reisanbau kommen wir dem Urzustand des Gebiets näher», so Léandre Guillod. So könne der Bodenschwund durch das stehende Wasser verlangsamt oder gar verhindert werden. Die temporäre Flutung der Felder schaffe Lebensräume für seltene Watvögel, Frösche und Libellen. Die unzähligen umherschwirrenden Insekten mit den durchsichtigen Flügeln am Rande des Reisfelds unterstreichen diese Aussage. Seit 2023 kann Nassreis als Biodiversitätsförderfläche deklariert werden.

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Die Biodiversität in einem Reisfeld ist gross. Insgesamt wurden circa 20 Libellenarten beobachtet.

Keine Herbizide

Neben den Libellen gibt es aber noch eine andere Auffälligkeit, die auf einem für das Schweizer Mittelland herkömmlichen Getreidefeld nicht anzutreffen ist: Es hat Wasserpflanzen. Guillods fluten das Reisfeld ungefähr Anfang Mai. Circa Mitte Mai pflanzen sie die selbst gezogenen Setzlinge ins stehende Wasser. Dadurch halten sie Unkräuter wie die Hühnerhirse in Schach, nicht jedoch Wasserpflanzen wie Zyperngras, Froschlöffel oder Rohrkolben. Diese auszureissen, um die Samenbildung zu verhindern, ist mit viel Handarbeit verbunden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Wasser ist in der Schweiz verboten.

Guillods dreschen ihren Reis im Herbst zwischen Mitte September und Mitte Oktober mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 20 bis 25 Prozent. In der betriebseigenen Verarbeitungshalle werden die Körner anschliessend getrocknet, bis sie noch rund 12 Prozent Feuchtigkeit enthalten.

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Dank einer schlauen Bewirtschaftung, müssen im Reisfeld nur drei Jätdurchgänge händisch gemacht werden.

Dann wird der Rohreis entspelzt und später geschliffen: Von einem Kilo Rohreis bleiben ungefähr 700 Gramm weisser Reis übrig. Das Ertragspotenzial in einem Land wie Italien beträgt rund 10 Tonnen pro Hektare. Durch das hiesige kühlere Klima liege es bei circa 6 Tonnen, wenn alles rundlaufe, so Léandre Guillod. Es könne aber auch nur 3 Tonnen Ertrag geben, wie in den Jahren 2021 oder 2025, als der Sommer eher kühl oder regnerisch war.

Denn die wichtigste Voraussetzung, dass der Reis gedeiht, ist Wärme. Der Grund für den Nassanbau ist, dass das Wasser diese speichert. Optimal für das Wachstum sind minimale Lufttemperaturen zwischen 10 und 18 Grad Celsius.

Entsprechend dürfte das aktuelle ein erfolgreiches Reisjahr werden. «Heuer erwarten wir eine gute Ernte. In Bezug auf den Klimawandel haben wir wohl auf die richtige Kultur gesetzt», sagt Léandre Guillod.

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Nische mit Potenzial

Beim Reis ist die Schweiz fast ausschliesslich auf Importe angewiesen: Jährlich werden davon rund 60’000 Tonnen eingeführt. Hierzulande wird Reis im Tessin im Trockenanbau produziert, nördlich der Alpen im Nassverfahren. Letztes Jahr wurden in der Schweiz laut Swiss Granum 259 Tonnen geerntet. Der Nassreisanbau basiert auf der Idee von Agroscope, auf vernässten Ackerflächen eine Kultur mit ökonomischem Potenzial anzubauen und zugleich die Biodiversität zu fördern.

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