Im Domleschg setzen Flurin Frigg und Vera Bracher auf regenerative Landwirtschaft. Eine angepasste Rindviehrasse und Kompost sind dabei in Pratval GR zentral.
Kleine Kühe mit grosser Wirkung
Text ― Silvana Roffler
Bilder ― Michelle Wüthrich

Familie Frigg aus Pratval setzt auf eine Landwirtschaft, die konsequent in Kreisläufen denkt. Mit kleineren, robusten Milchkühen, intensiver Weidehaltung, mutter- und ammengebundener Kälberaufzucht und regenerativem Ackerbau verfolgen sie einen anderen Ansatz als viele Milchbetriebe. Ergänzt wird das System durch Schafhaltung, ein Lohnunternehmen sowie ein gemeinschaftliches Kompostprojekt.

Flurin Frigg bewirtschaftet mittlerweile 65 Hektaren Land auf seinem Biohof.
Effizienz statt Extremleistung
Die Geschichte des Betriebs von Flurin Frigg und Vera Bracher ist eng mit der Entwicklung des Biolandbaus in Graubünden verbunden. Bereits 1991 stellten seine Eltern den Hof konsequent auf Bio um. Heute bewirtschaftet die Familie rund 65 Hektaren Land – mehr als dreimal so viel wie damals.
Nach dem Studium der Agronomie und Tätigkeit an landwirtschaftlichen Schulen übernahm Flurin Frigg im Jahr 2021 den elterlichen Betrieb. Nach der Hofübernahme stellte der junge Agronom vieles infrage. Besonders die grossrahmigen Holstein-Kühe passten für ihn nicht mehr optimal zum Betrieb. Die Tiere benötigten viel Futter und waren für die Bedingungen im Berggebiet wenig effizient. Trotzdem kam ein Ausstieg aus der Milchwirtschaft für den Landwirt nie infrage.



Kleinere, leichtere, robustere und frühreife Kühe waren das neue Zuchtziel.

Verzicht auf Flaschenfütterung
Die Alpung und die Nutzung des hofeigenen Grundfutters passen ideal zum Betriebskonzept. Deshalb setzte Flurin Frigg auf eine gezielte Rotationskreuzung mit Kiwicross, norwegischem Rindvieh und irischer Weidegenetik. Das Resultat sind kleinere, leichtere, robustere und frühreife Kühe mit einem gesunden Bewegungsapparat und einer guten Grundfuttereffizienz. Entscheidend sei nicht die maximale Milchmenge, sondern die Leistung im Verhältnis zum Körpergewicht und zum Futterverbrauch. Der kantonal überdurchschnittliche Deckungsbeitrag unterstreicht dabei die Strategie der Familie Frigg.
Während der Vegetationszeit wird auf dem Betrieb intensiv auf Umtriebsweiden geweidet. Ergänzt wird das System durch eine mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht. Die Kälber bleiben nach der Geburt zwei Wochen bei ihren Müttern und werden später während der Melkzeiten zu den Kühen gelassen. Auf Flaschenfütterung verzichtet die Familie vollständig.

Die Rotationskreuzung führte zu Kühen mit einem gesunden Bewegungsapparat und einer guten Grundfuttereffizienz.
«Der tierische Dünger ist das Bindeglied für einen gesunden Boden»
Kompost nimmt zentrale Rolle ein
Neben der Tierhaltung betreibt die junge Familie ein Lohnunternehmen für Getreidedrusch. Die Erfahrungen daraus prägen auch ihren eigenen Ackerbau. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Kompost. Gemeinsam mit zwei Berufskollegen wurde 2021 ein neuer Kompostplatz in Rodels GR erstellt. Dafür gründeten sie eine Aktiengesellschaft. Dort werden Mist, Grüngut, Erde und Komposttee zu hochwertigem Nährhumus verarbeitet.
Der Kompost liefert weniger schnell verfügbaren Stickstoff als frischer Mist, verbessert dafür langfristig die Bodenstruktur und versorgt den Boden mit wichtigen Nährstoffen. Zudem ist er im praktischen Einsatz viel flexibler als strohreicher Mist. Für Flurin Frigg ist klar: Regenerative Landwirtschaft funktioniert nur mit Tieren und geschlossenen Kreisläufen. «Der tierische Dünger ist das Bindeglied für einen gesunden Boden», sagt er.

Gemeinsam mit zwei Berufskollegen wurde 2021 ein neuer Kompostplatz in Rodels GR erstellt

Mist, Grüngut, Erde und Komposttee werden hier zu hochwertigem Nährhumus verarbeitet.

Dieser Kompost verbessert langfristig die Bodenstruktur und versorgt den Boden mit wichtigen Nährstoffen.

Diese Gegenstände gehören definitiv nicht in den Kompost.
«Soil to Soul»
Die Bewegung und Wissensplattform «Soil to Soul» setzt sich für gesunde Böden, regenerative Landwirtschaft und eine nährstoffreiche Ernährung ein. Dazu gehört das Symposium, welches vom 28. bis 31. Oktober in Zürich stattfindet, in Medienpartnerschaft mit dem «Schweizer Bauer».