Daniel Hafner ist seit über drei Jahrzehnten Tierpfleger im Zoo Zürich. Als Fachspezialist des Zoolino kümmert er sich um Haus- und Nutztiere, vorwiegend Pro-Specie-Rara-Rassen. Er weiss, wie man es anstellt, dass jede Hühnerrasse am Abend in den für sie vorgesehenen Stall zurückkehrt.
«Ich habe einen kleinen Bauernhof am Züriberg»
Text ― Christine Bieri
Bilder ― Christine Bieri

«Wenn mich jemand fragt, dann sage ich: Ich habe einen kleinen Bauernhof am Züriberg», sagt Daniel Hafner und lacht.
Hafner ist Tierpfleger im Zoo Zürich und aktuell Fachspezialist des Zoolino. In diesem Bereich des Zoos hat es Haus- und Nutztiere. Mittlerweile fast ausschliesslich Pro-Specie-Rara-Rassen.
In Zukunft möchte der Zoo Zürich nur noch bedrohte oder forschungsrelevante Tierarten und seltene Rassen halten. Bei den Säugetieren ist hier bereits eine Quote von gut 70 Prozent erreicht. Die Tiere im Zoolino werden zur Rassenerhaltung und als Nahrungsquelle für die fleischfressenden Arten gezüchtet.

Das Schweizer DreifarbenKleinscheckenkaninchen.
«Komme immer gerne»
Überzählige, für die Zucht nicht relevante Tiere werden geschlachtet, denn das sind auch im Zoo Nutztiere. Die grossen Entwicklungen der letzten Jahre hat Daniel Hafner alle miterlebt. Seit 31 Jahren arbeitet er im Zoo. Sein Verantwortungsbereich ändert sich dabei alle paar Jahre. Er war schon bei den Seehunden, im Regenwald, in der Lewa-Savanne, bei den Raubtieren und den Elefanten. Regelmässig wechselt er in den Zoolino. «Ich komme immer wieder gerne in den Zoolino», sagt Hafner.
«Hier hat man direkten Kontakt mit den Tieren», sagt er und fügt noch scherzend hinzu, «zudem haben wir hier den schönsten Aufenthaltsraum.» Damit der Raum für die Mitarbeitenden so schön wurde, hat er damals mit seinem Vater gleich selbst Hand angelegt. Eine getäferte Abtrennung zu den Spinden, eine hölzerne Eckbank beim Tisch, eine Glocke in der Ecke und eine Kuckucksuhr an der Wand passen zum Bild des Bauernhofes am Züriberg. Der Raum ist wichtig, auch damit sich die Mitarbeiter des kältesten Ortes im Zoo aufwärmen können.

Der Zoolino ist der kälteste Ort im Zoo Zürich.
«Ich finde es schön, wenn Leute Fragen stellen.»
Was macht ein Tierpfleger?
Die Arbeit als Tierpfleger in diesem Teil des Zoos Zürich unterscheidet sich von derjenigen in anderen Zoobereichen. «Wir haben mehr Kontakt zu den Zoogästen.» Bei anderen Tierarten wird mehr im Hintergrund gearbeitet. Diesen Kontakt schätzt Hafner sehr. «Ich finde es schön, wenn Leute Fragen stellen.» So kann er Auskunft geben über die Eigenarten der Tiere und Irrtümer aufklären wie zum Beispiel, dass das Schwarze Alpenschwein kein Wildschwein ist, und dabei helfen, Schafe von Ziegen zu unterscheiden. Meistens wollen die Besucherinnen und Besucher jedoch nur den Namen der Ziege wissen, die sie gerade streicheln, oder haben andere Bedürfnisse.
«Die meistgestellte Frage im Zoo ist: ‹Wo ist das WC?›», erzählt Hafner und lacht. Einige Teile der Arbeit sind aber auch ähnlich. Etwa 80 Prozent der Arbeitszeit verbringt ein Tierpfleger oder eine Tierpflegerin mit Misten. Hafner schätzt die Beziehung, die man in seinem Beruf zu den Tieren aufbauen kann. Teil dieser Beziehungsarbeit ist die Konditionierung. Das heisst, dass man einem Tier beibringt, auf ein bestimmtes Signal immer wieder gleich zu reagieren. Aktuell sind die Hühner wegen der Vogelgrippeauflagen in ihrer Voliere aufgestallt, aber im Sommer können sie sich frei durch den Zoolino bewegen.

Für Daniel Hafner macht es keinen Unterschied, ob er sich um Elefanten oder Ziegen kümmert.
Jedes Tier hat eigenes Signal
Damit am Ende des Tages die Appenzeller Barthühner nicht in den gleichen Stall gehen wie die Schweizerhühner, braucht es etwas Training. «Die Barthühner haben eine Hupe als akustisches Signal. Wenn sie diese hören, wissen sie, dass sie jetzt in ihrem Stall eine Handvoll Mehlwürmer bekommen. Die Schweizerhühner haben eine Rassel, auf die sie reagieren.
So hat jedes Tier im Zoolino sein eigenes Signal. Sollen die Schwarzen Alpenschweine von der Weide kommen, werden sie mit einer Glocke gerufen. «Die haben wir auch gleich den Tierpflegern der Quarantänestation gegeben, damit sie bereits ab dem ersten Tag bei uns im Zoo damit beginnen konnten, den neuen Eber an den Klang zu gewöhnen. Er hat gelernt, es klingelt und dann erhalte ich Futter.»

Zwei Schwarze Alpenschweine beim Wühlen im Stroh.
Was machen die Tiere?
Im Zooalltag ist auch Kreativität gefragt, und alle dürfen ihre Ideen einbringen. Das gilt insbesondere bei der Tierbeschäftigung. «Wenn der Bündner Oberländer Bock auf der Anlage ist, können wir nicht zum Reinigen hinein, weil er ein ausgeprägtes Herdenschutzverhalten zeigt.» Damit der Bock abgelenkt ist und sich abreagieren kann, hat Hafner sich etwas ausgedacht: «Wir haben Schaukelbaumstämme aufgehängt. Jetzt kann er gegen die kämpfen, und das macht er mit Anlauf.» Hafner sieht auch noch einen weiteren möglichen Grund, warum der Bock gegenüber Menschen eher ablehnend reagiert: «Manchmal erwische ich leider Personen dabei, wie sie Tiere bei den Hörnern packen.»

Der Bündner Oberländer Schafbock nutzt Schaukelbaumstämme, um seine Energie loszuwerden.
Die meisten der jährlich über eine Million Besucherinnen und Besucher verhalten sich laut Hafner jedoch unproblematisch und angenehm. Der Zoolino zieht besonders Familien mit kleineren Kindern an, da man hier die Tiere zuverlässig zu Gesicht bekommt und häufig auch Jungtiere zu sehen sind. Hafner wird das Revier bald wieder verlassen und zu seiner zweiten grossen Liebe im Zoo, den Elefanten, wechseln. Für ihn spielt es aber keine Rolle, ob er sich um Dickhäuter oder Meerschweinchen kümmert. «Das Schönste an meinem Beruf ist die Abwechslung, es ist kein Tag gleich wie der andere ‒ und die Arbeit mit den Tieren.»
Hier gehts zum Youtube-Video mit Daniel Hafner.