Roger Schürch ist seit 2011 Moderator bei Radio Energy und heute unter anderem bei «Energy Downtown» zu hören. Daneben spricht er zusammen mit Luzi Fricker im Sport-Podcast «Ersatzbankgeflüster» über Fussball, Eishockey und alles, was die Sportwelt sonst noch bewegt. Sportlich schlägt sein Herz besonders für die Berner Young Boys – Roger ist bekennender YB-Fan.
«Sämtliche Lebensmittel sollten wir wieder bewusster wertschätzen.»
Text ― Michelle Wüthrich
Bilder ― zvg

Wenn man einen Blick in deinen Kühlschrank werfen würde – was würde er über dich verraten?
Wahrscheinlich wäre dann mein familiärer Background recht schnell klar. Der Einfluss meiner griechischen Frau ist doch schon ziemlich gross. Oliven und Feta-Käse stechen ins Auge. Ansonsten verrät das Gemüse, dass wir uns gerne frisch ernähren, Eier und Käse unterstreichen die regionale Verbundenheit, und das Bier steht für den Spass.
Gibt es etwas, das bei dir im Kühlschrank wirklich nie fehlen darf? Warum gerade das?
Zurzeit habe ich jeden Tag mindestens ein Mate-Döschen in Kühlschrank. Ich bin dem Hype verfallen. Ebenso sind Feta und Oliven immer drin. Obwohl ich als Einziger in meiner kleinen Familie Oliven nicht mag.
Wenn du jemanden mit einem einzigen Gericht beeindrucken müsstest: Was würdest du kochen?
Ich bin am Herd nicht wirklich begabt. Aber: Für meinen «Hörnliauflauf» hats schon des Öfteren lobende Worte gegeben. Ebenfalls ziemlich gut bringe ich Pasta-Gerichte hin. Sind meistens einfach, und die Anleitung steht auf der Verpackung.


Welches Gemüse, Obst oder Lebensmittel beschreibt deinen Charakter am besten – und warum?
Eventuell der Apfel?! Quasi das Schweizer Taschenmesser unter dem Obst – geht immer, schmeckt meistens und fühlt sich (da er praktisch überall wächst) irgendwie überall wohl.
Gibt es ein Essen, das für dich mehr ist als nur Geschmack, sondern mit Erinnerungen oder besonderen Momenten verbunden ist?
Definitiv das Rahmschnitzel mit Nüdeli. Jeden Sonntag bei meinen Eltern zu Hause. Damals, als man am Tisch gegessen und sich ausgetauscht hat und noch keine Smartphones oder TVs abgelenkt haben.
Welches Gericht oder welcher Geschmack bringt dich sofort zurück in deine Kindheit?
Ziemlich prägnant im Kopf verankert ist der süssliche Duft von einkochender Konfitüre. Meine Mutter macht noch heute die beste Quitten- Konfitüre.

Gibt es etwas, das du niemals essen würdest – und steckt dahinter eher Geschmack, Prinzip oder eine Erfahrung?
Ich bin eigentlich ziemlich unproblematisch. Bei Innereien aber hört für mich der Spass auf. Als Kind wurden mir einmal Kutteln «untergejubelt» – seither ist dieser Zug abgefahren.
Wenn du nur noch ein einziges Gericht für den Rest deines Lebens essen dürftest: Welches wäre es und weshalb?
Da schimmert der «angeheiratete Grieche» in mir durch. Nichts schlägt einen frisch zubereiteten griechischen Salat mit richtig gutem Feta-Käse und einen Fisch vom Grill. Oder dann ein Raclette mit Gschwellten – schön traditionell.
Was sagt dein Umgang mit Essen über dich aus – eher Genussmensch, Gewohnheitsmensch oder Experimentierer?
Ich geniesse gerne die frische Küche. Wenn ich aber selber koche, greife ich gerne auf gewohnte und einfachere Sachen zurück.
Beim Kochen: Brauchst du Struktur und ein Rezept oder entsteht das Beste spontan?
Ganz klar Struktur und Rezept. Im Küchen-Chaos verliere ich die Übersicht und schlussendlich auch zu viel Zeit.

Gibt es ein Gericht, das du immer wieder bestellst, obwohl du es eigentlich selbst machen könntest? Was macht es so besonders?
Fried Rice – wäre eigentlich nicht so schwierig, selbst zu kochen, aber ich will mir einfach nicht die Zeit dafür nehmen.
Fühlst du dich im Leben eher auf dem Land oder in der Stadt zu Hause – und was macht diesen Ort für dich aus?
Ich bin auf dem Land aufgewachsen und dann in die Stadt gezogen. Kenne also beide Seiten und deren Vor- und Nachteile. Derzeit gibt mir das städtische Leben mit meiner kleinen Familie genau das, was ich brauche. Das Landei in mir lebt aber weiter und wird vor allem beim Wochenendbesuch bei meiner Familie auf dem Land regelmässig aktiv.
Wenn du dir ein typisches Bauernhoftier als Haustier aussuchen müsstest: Welches wäre es und warum?
Wahrscheinlich schon der Berner Sennenhund. Ich bin mit Tieren und insbesondere Hunden aufgewachsen. Der Sennenhund ist mit mir auch charakterlich am ehesten auf einer Wellenlänge und pflegeleicht. Wenn ich meine kleine Tochter fragen würde, wäre es aber das Pferd. Sie liebt diese seit unseren Ferien in Island und bekommt jedes Mal leuchtende Augen, wenn wir an einem Pferd vorbeilaufen.

Wenn du an die Landwirtschaft von heute denkst: Was läuft aus deiner Sicht gut – und was müsste sich dringend ändern?
Ich habe selbst nicht viel mit der Landwirtschaft am Hut und kenne die Herausforderungen nur vom Hörensagen. Trotzdem finde ich, dass wir in der jetzigen Zeit vermehrt auf die Pflege und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft achtgeben müssen. Es muss uns allen bewusst sein, wie wichtig das Schaffen der Landwirte und Landwirtinnen für die ganze Nation ist. Die internationale Abhängigkeit durch die Globalisierung wurde in den letzten Jahren durch Engpässe und höhere Preise sehr deutlich.
Welche gesellschaftliche Haltung gegenüber Lebensmitteln oder der Landwirtschaft findest du problematisch?
Unverhältnismässiger Konsum und Respektlosigkeit. Unverhältnismässiger Konsum in Form von Food-Waste ist bis heute ein grosses gesellschaftliches Problem, das bereits in der Kinderstube anfängt. Die Fragen, ob jedes Lebensmittel weggeworfen werden muss, wenn es einen Tag über dem Verfallsdatum liegt, oder ob wir wirklich nur die ganz geraden Rüebli zum Kochen brauchen können, sind zuletzt leider ein wenig auf der Strecke geblieben. Dies geht einher mit dem Respekt für die Lebensmittel und deren Produktion respektive für die Produzenten.

Gibt es ein Lebensmittel, das wir heute zu selbstverständlich nehmen und wieder bewusster wertschätzen sollten? Warum?
Sämtliche Lebensmittel sollten wir wieder bewusster wertschätzen. Heute kann ich rund um die Uhr mein Brot einkaufen gehen. Wenn ich keine Lust zum Kochen habe, kann ich 24/7 irgendwo etwas bestellen. Diese dauernde und selbstverständliche Verfügbarkeit bringt viel Qualität, aber eben auch einen zunehmenden Mangel an Wertschätzung.
Hast du das Gefühl, dass viele Menschen heute den Bezug zur Herkunft ihrer Lebensmittel verloren haben? Was macht das mit unserem Konsumverhalten?
Ich nerve mich jedes Mal selbst, wenn ich eine Import-Avocado oder Pfirsiche aus Südspanien kaufe. Ich könnte sie einfach nicht kaufen, aber ich lasse mich eben auch oft von den Marketinginstrumenten der Detailhändler leiten. Trotzdem glaube ich, dass gerade jetzt ein Ruck durch die Bevölkerung geht und Schweizer Produkte respektive die Herkunft der eingekauften Produkte vermehrt im Fokus stehen.

Entweder … oder
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