Der Frontmann und Sänger spricht über kulinarische Vorlieben, über Werte und über Menschen, die ihn inspirieren.
«Ich gebe mir Mühe, das Essen als wertvolle gemeinsame Familienzeit zu gestalten.»
Fragen ― Michelle Wüthrich; Rahel Stauffer
Bilder ― Julia Hassler (Portraits); zvg

STECKBRIEF
Name: Aurel Hassler
*Künstlername/Band: Stubetegäng
Herkunftsregion: Zentralschweiz
Alter: 41 Jahre
Sternzeichen: Steinbock
Hobbys: Bewegung und Sport allgemein. Fussball, Schwimmen, Laufen, Malen, Musik und oft das, was die Kinder grad von mir wollen.
WERDEGANG
Im unteren Kreis von Cham, dem ländlichen Weiler Hagendorn, bin ich zusammen mit meiner Mutter und meinem Vater und vier Geschwistern aufgewachsen. Seit ich denken kann, bot sich mir die Möglichkeit, mich mit Instrumenten musikalisch, im Sport mit Bewegung oder durch Kunst im Allgemeinen auszudrücken. Nach der Matura, der RS und dem abgeschlossenen Studium zum Primarlehrer arbeitete ich an verschiedenen Schulen im Kanton Zug mit unterschiedlichen Lehraufträgen. Seit meiner Kindheit wollte ich Musiker werden und sang und spielte in vielen verschiedenen Projekten, Musicals und auf Theaterbühnen in den unterschiedlichsten Besetzungen. 2016 lernte ich meine Frau Julia kennen und gründete 2018 mit der Geburt unseres ersten Sohnes eine eigene Familie. Das war gleichzeitig auch der Anfang der Stubetegäng. Zusammen mit meinem Bruder Moritz und dem Produzenten Georg Schlunegger veröffentlichten wir 2019 den ersten Song der Stubetegäng. Es war der Titel «Göschene Airolo».

Wie würdest du deine täglichen Essgewohnheiten beschreiben?
In erster Linie freue ich mich, wenn ich mit meiner Familie am Tisch sitzen kann und wir gemeinsam essen. Zum Frühstück gibt es meistens Brot, Joghurt, Haferflöckli, manchmal auch Haferbrei mit Nüssen und einem Apfel oder eine Omelette. Zu Mittag meist saisonal viel Gemüse, etwas Kohlenhydrate wie Teigwaren, Couscous, Reis und noch Proteine wie Fisch, Fleisch, Käse, Pilze oder Hülsenfrüchte. Am Abend vielleicht eine Suppe, Café complet, ein Birchermüsli oder leicht verdauliche Kohlenhydrate. Meistens kocht meine Frau. Ich habe Glück, sie ist eine ausgezeichnete Köchin! Wenn es sich ergibt, koche ich auch selber.
Grundsätzlich ernähre ich mich gerne gesund, ausgewogen, saisonal und mit möglichst wenigen Einschränkungen oder Verboten. Ich probiere auch immer wieder mal gerne etwas Neues aus.
Wo würdest du dich einordnen: vegetarisch, vegan oder omnivore?
Bis jetzt war ich ein mehrheitlich omnivores Lebewesen.
Was hat zu dieser Einstellung geführt?
In den Grundzügen wurde diese Einstellung in der Kindheit am familiären Esstisch geprägt.
Welches Gemüse, Obst oder Lebensmittel beschreibt deinen Charakter am besten – und warum?
Vielleicht eine Kartoffel. Ein Grundnahrungsmittel mit spannender Herkunftsgeschichte, und man beginnt die alten Sorten gerade erst neu in ihrer Vielseitigkeit zu entdecken.
Gibt es etwas, das bei dir im Kühlschrank wirklich nie fehlen darf? Warum gerade das?
Das gibt es schon, allerdings ändert es sich hin und wieder. Mal ist es das Joghurt, dann das Trockenfleisch oder phasenweise eine bestimmte Konfitüre. Aber es geht auch immer ohne. Obwohl bei der Butter, ja, wenn die fehlt, wird es etwas eng.

Was ist für dich persönlich ein Genuss, wenn es um das Thema Essen geht?
Ich geniesse das Essen gerne als ganzheitlichen Moment, dabei spielt die Zusammensetzung dessen, was auf dem Teller ist, eine gewisse Rolle, aber auch viele andere Dinge gehören dazu. Zum Beispiel ein Sonnenstrahl, der durch das Fenster glitzert, ein schönes Gespräch, ein guter Anlass oder eine stimmige Umgebung. Der Moment des Essens an sich ist ein Genuss.
Siehst du im heutigen Essverhalten einen Trend, und wohin führt dieser in deinen Augen?
Manchmal habe ich das Gefühl, dass die gemeinsamen Mahlzeiten grundsätzlich etwas an Wichtigkeit verlieren und sich die Menschen zunehmend allein und fliegend zwischendurch ernähren. Vielleicht erhalte ich auch bloss den Eindruck, dass dem so sei, weil ich mir gerade Mühe gebe, das Essen als wertvolle gemeinsame Familienzeit zu gestalten.
Welcher Kochtyp bist du?
Beim Kochen improvisiere ich gerne. Manchmal bin ich von einem Rezept inspiriert, das ich irgendwo aufgeschnappt habe und an das ich mich noch halbwegs erinnern kann.
Magst du dein (Lieblings-)Rezept mit den Magazinlesern teilen?
Ich habe kein spezifisches Lieblingsrezept. Meine Omelette mache ich zurzeit gerade wie folgt:
2 dl Milch (auch Reis- oder Hafermilch), 60 g Urdinkelmehl, ein Ei und etwas Salz. Ab in die Pfanne und danach beliebig üppig belegen.

Was ist dein Bezug zur Schweizer Landwirtschaft?
Ich lebe auf dem Land und gehe mit meinen Kindern regelmässig auf den Hof des benachbarten Landwirts. Wir geniessen den direkten Kontakt und Austausch mit den Tieren und dem Bauern und seiner Familie. Mein Sohn möchte gerne Landwirt werden, deshalb besuchen wir ab und zu befreundete Bauernfamilien. Meistens trinken wir zusammen etwas, essen ein Stück Kuchen, tauschen uns über Gott und die Welt aus und schauen noch, was es im Stall oder auf dem Hof gerade zu tun gibt. Wenn es gerade gelegen kommt, helfen wir gerne mit. Mein Grossvater Beat Wenk arbeitete beim Schweizer Braunviehzuchtverband und war in seiner Freizeit engagierter Agrarjournalist. Er hat zeitlebens für die Landwirtschaft gearbeitet.
Fühlst du dich eher auf dem Land oder in der Stadt zu Hause – und weshalb?
Als Wohnort bevorzuge ich das Leben auf dem Land, dort fühle ich mich mit meiner Familie und der Natur am richtigen Ort und verbunden. Ich habe auch schon in der Stadt gewohnt, und das war auch schön, aber das Leben auf dem Land behagt mir mehr.
Welche Kriterien sind für dich massgebend, wenn du einkaufst?
Jeden Montag erhalten wir von einem benachbarten Hof einen Korb mit Eiern und saisonalem Obst und Gemüse. Fleisch kaufen wir am liebsten beim Metzger und den Käse in einem Käseladen in der Nähe. Wir mögen es, einen möglichst persönlichen, direkten Bezug zu den Produzenten der Lebensmittel zu haben. Natürlich bin ich auch ab und zu im Grossverteiler. Da kaufe ich Joghurt, Pasta, Reis, Nüsse und was gerade noch fehlt. Am besten frisch, unverarbeitet und wenn möglich ohne Zusatzstoffe.
Siehst du eine Diskrepanz zwischen den Menschen, die Lebensmittel produzieren, und denen, die sie konsumieren?
Ich persönlich mag es, wenn ich weiss, woher das Essen kommt, welches ich konsumiere. Am liebsten habe ich einen persönlichen Bezug zu den Produzenten. Das ist natürlich nicht immer möglich. Es gibt bestimmt eine gewisse Diskrepanz zwischen den Konsumenten und den Produzenten. Deshalb finde ich den gegenseitigen Austausch wichtig, damit man möglichst nachvollziehen kann, woher das Essen stammt, das bei uns auf dem Tisch landet.
Wenn du an die Landwirtschaft von heute denkst: Wo würdest du Einfluss nehmen, um etwas zu verändern?
Ich habe den Eindruck, heutzutage sind wir uns allgemein weniger bewusst als früher, wie wichtig die Rolle der Landwirtschaft für ein gelingendes Zusammenleben in unserem Land ist. Das Berufsbild des Bauern und der Bäuerin hat sich stark verändert. Es ist komplexer geworden und es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, diesen Beruf auszuüben. Die Konsumenten und Konsumentinnen sollten für diese veränderten Ansprüche sensibilisiert und darüber aufgeklärt werden.

Gibt es eine Persönlichkeit, die dich auf deinem bisherigen Lebensweg besonders inspiriert hat und weshalb?
Meine Frau inspiriert mich quasi täglich aufs Neue. Ihre Lebensgeschichte und ihre Art, mit dem Leben umzugehen, ist unendlich schön und inspirierend. Menschen, die sich selbst sind, die auf ihre ganz eigene Art und Weise etwas tun, weil es einfach zu ihnen gehört, inspirieren mich. Die Art und Weise, wie mein Vater Musik gemacht hat oder wie sich meine Mutter um die Kinder gekümmert hat, war für mich immer sehr inspirierend. Ich hatte das Glück, immer wieder neue inspirierende Persönlichkeiten kennen lernen zu dürfen.
Auf welche Eigenschaften achtest du bei deinen Mitmenschen besonders?
Ehrlichkeit, Direktheit, Humor, Begeisterungsfähigkeit und wohlwollende Liebe sind Eigenschaften, welche ich bei Personen in meinem Umfeld erkennen kann und welche mir offenbar wichtig sind. Feilschen, Doppelmoral, Uneinsichtigkeit und ein allzu stark ausgeprägter Egoismus oder Extremismus widerstreben meinem Sein.
Nenne uns deine drei wichtigsten Werte:
Liebe, Klarheit und Lebensfreude sind wichtige Werte für mich. Die Liebe, weil sie in allem Leben zu finden ist und uns als universelles Kommunikationsmittel mit der Welt und dem Leben verbindet. – Die Klarheit, weil sie mir hilft, jedem Tag eine neue Chance zu geben und das Jetzt im Moment zu erleben. – Die Lebensfreude, weil sie uns im Wachsen und im Streben nach Glück, Liebe und Klarheit unterstützt.
Welche deiner Charakterzüge fordern dich persönlich am meisten heraus?
Ich kann zuweilen sehr unausgeglichen und launisch sein. Das kann sowohl für mich als auch für mein Umfeld anstrengend werden.

Gibt es ein einschneidendes Erlebnis, das dich geprägt oder verändert hat?
Davon gibt es viele. Grundsätzlich sind es die gemeisterten Herausforderungen und überstiegenen Hürden im Leben, welche mich zu dem machen, der ich bin. Auch Erfolge können entscheidende Erlebnisse sein. Am schönsten sind die Erlebnisse, die sowohl das Loslassen als auch das Umarmen des Lebens mit sich bringen. Ich war mal am Boden zerstört, hatte nichts ausser einer Depression und einem Toyota Previa. Dann, als es mir so hundsmiserabel schlecht ging, lernte ich meine Frau kennen, gründete eine Familie und die Stubetegäng.
Worauf bist du besonders stolz?
Ich bin stolz auf meine Familie und auf die Dinge, die wir gemeinsam erleben und erreichen. Dasselbe gilt auch für meine Band und die Mitglieder der Band.
Was ist noch ein grosses Lebensziel für dich?
Das Leben geniessen zu können. Freude und Liebe zu teilen, ein guter Vater und ein guter Ehemann zu sein. Möglichst vieles davon zu erforschen, was dieser Aurel in seinem Leben auf der Erde so macht.
Woran arbeitest du gerade?
Mit der Stubetegäng sind wir gerade kurz vor unserer Samichlaustour. Mit Hochdruck arbeiten wir an der Umsetzung der neuen Songs unseres aktuellen Albums «Hände höch» für die Tourkonzerte. Ich freue mich darauf, dem Publikum die neuen Songs live zu präsentieren.
Tickets für die Samichlaustourkonzerte findet man auf www.stubetegaeng.ch.
