2026–05–05T11:06:19GMT+0200

Letztes Jahr konnten die Mutterkühe bereits die ersten Hecken geniessen.

Angefangen hat alles im November 2022. Damals pflanzte Pirmin Adler die ersten 1500 Sträucher und Bäume auf seinem Hof. Das auf einer Fläche von rund vier Hektaren. Seither werden es in jedem Herbst mehr. Der Landwirt hält auf seinem 22 Hektaren grossen Biobetrieb im aargauischen Oberrüti Mutterkühe, Weidehühner, betreibt wenig Ackerbau und setzt auf Agroforst. Die Rinder und Ochsen der rund 25 Mutterkühe schlachtet Adler im Alter von circa zwei Jahren und vermarktet das Fleisch direkt. So, wie auch das Fleisch und die Eier der Bressehühner, einer französischen Zweinutzungsrasse. An diesem Frühlingsnachmittag Mitte März picken die Hühner vor ihren mobilen Hütten im Gras nach Würmern. Auf der benachbarten Weide grasen die Limousin-Mutterkühe. Dazwischen steht eine sogenannte Mehrnutzenhecke: Pappeln, Silberweiden, Reifweiden. Nach jeweils rund 15 Metern kommt eine neue Art. «Um Konkurrenz zu vermeiden», sagt Adler. Denn jedes Gehölz habe andere Eigenschaften und müsse anders unterhalten werden, erklärt der Landwirt.

Rund 2500 Sträucher hat Pirmin Adler schon gepflanzt. «Und es werden noch mehr.»

Das Fleisch der Bressehühner, die Pirmin Adler in mobilen Hütten hält, vermarktet er direkt.

Das Gehölz als Mineralstoffquelle

Indem er die Sträucher so gepflanzt habe, habe er sich zudem die Möglichkeit offengelassen, das Laub der verschiedenen Arten dereinst separat ernten zu können, um dieses gezielt bei der Fütterung der Tiere einzusetzen. So seien Weiden zum Beispiel reich an Selen, Hagebuchen lieferten Mangan, Rotbuchen Eisen oder Pappeln Zink. «Tiere wissen, was ihnen guttut und was nicht. Zumindest, wenn sie die Wahlmöglichkeit haben», sagt der Landwirt. Für den Betriebsleiter zählt nicht nur das Laub, sondern auch das Holz, das er häckselt, einstreut und so in den Kreislauf integriert. Frischzweighäcksel sorge für ein besseres Stallklima, stärke die Tiergesundheit und belebe den Boden, sagt Adler. Schon früher sei in der hiesigen Landwirtschaft Agroforst betrieben worden. So hätten zum Beispiel im Berggebiet die Bauern im Herbst oft Laub gesammelt, um dieses im Winter zu streuen, erzählt der Betriebsleiter beim Rundgang über den Hof. In der Scheune steht die Heckenschere für den Traktor, die der Landwirt für die Bewirtschaftung der Agroforstflächen angeschafft hat. Die Pflanzung der Bäume und Sträucher, die Maschinen – das alles kostet Geld. Dazu sagt der Landwirt: «Ich investiere in einen Betriebszweig, mit dem ich Kosten sparen kann, indem ich zum Beispiel kein Mineralfutter oder kein Stroh mehr kaufen muss.» Weiter erhoffe er sich ein resilienteres und über die Jahre hinweg stabileres System, das auch mit starken Niederschlägen und grosser Hitze zurechtkomme. «Das Gehölz tut dem Boden gut und sorgt für einen lebendigen und gut durchlüfteten Untergrund», so der Agroforst-Pionier. Er ist überzeugt: «Der Aufwand zahlt sich aus.»

Frischzweighäcksel sorgt laut Pirmin Adler für ein besseres Stallklima, stärkt die Tiergesundheit und belebt den Boden.

 Als Weg zur Unabhängigkeit

Letztes Jahr hat Pirmin Adler den Prix Climat gewonnen. Der Preis zeichnet landwirtschaftliche Betriebe und Projekte aus, die sich um eine klimafreundliche Land- und Ernährungswirtschaft bemühen. Neben dem Agroforst und der Tierhaltung betreibt Adler Ackerbau und produziert neben Mais auch Hafer und Ackerbohnen, die hauptsächlich als Hühnerfutter dienen. «Ich möchte möglichst unabhängig sein», sagt der Betriebsleiter. Dabei sollen auch die Sträucher und Bäume helfen, die Adler schon gepflanzt hat oder noch pflanzen wird.

Pirmin Adler freut sich Anfang April über die jungen Sträucher und Bäume, die nun zum zweiten Mal ausschlagen.

Zum Klimapreis

Den Prix Climat hat Pirmin Adler Ende November 2025 gewonnen. Das nächste Mal wird der Preis im Herbst 2027 verliehen. Die Ausschreibung erfolgt im Herbst 2026.

Pirmin Adler (r.) vom Hof «Adlerzart» in Oberrüti AG hat am 29.11.25 sowohl den Publikumspreis wie auch den Hauptpreis «Prix Climat 2025» gewonnen.


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