Mit Murmelisalbe hat ein Jäger 1992 in Frutigen den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Naturkosmetikfirma Puralpina gelegt.
Kosmetik aus dem, was die Landschaft anbietet
Text ― Julia Spahr
Bilder ― ?

Am Hauptsitz der Naturkosmetikfirma Puralpina in Frutigen herrscht emsiges Treiben. Im Laden erkundet die Kundschaft das dichte Sortiment aus regionalen Produkten von Puralpina und anderen lokalen Produzentinnen. In den Räumen dahinter wird verarbeitet und verpackt, und im Obergeschoss geht der Pausen- und Gemeinschaftsraum nahtlos in den Bürobereich über.
«Zum Glück kommen wir und unsere mittlerweile 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut aus miteinander, denn es ist schon sehr eng hier», sagt Silvan Schmid, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Reto führt. Als Beispiel zeigt er die Produktion, wo Lara Zimmermann, Kathrin Wiederkehr und Christine Ritter Däpp gerade den altbewährten Lippenbalsam und die neuen Deo-Cremes und -Sticks herstellen. Das Team ist gut eingespielt, sonst wären wohl Zusammenstösse in den engen Durchgängen zwischen Herdplatten, Mischmaschinen, Gussformen, Töpfen und Tiegeln unvermeidlich. «Wir freuen uns auf den Erweiterungsbau», sagt Schmid mit Blick auf die Bagger vor dem Fenster.

Der Tüftler im Stall
Den Klassiker der Firma, die Murmelisalbe «ohne Chemie und Konservierungsstoffe», hat Vater Andreas Schmid vor über 30 Jahren in einem alten, zum Labor umgebauten Stall entwickelt, in dem der Grossvater früher noch zwei, drei Kühe gehalten hatte. Andreas Schmid war Automechaniker und Jäger. «Er fand es schade, dass es für das Fett der Tiere keine Verwendung gab», berichtet Silvan Schmid. «Dabei wusste er von seinem Vater, dass Murmeliöl gut ist gegen Rheuma.»
Vater Schmid tüftelte so lange, bis die Salbe ohne künstliche Zusätze in Wirkung und Anwendung ganz seinen Vorstellungen entsprach. Seine Nachfolger tun es ihm gleich. «Wir orientieren uns einerseits an den Wünschen der Anwender und schauen andererseits auf die Herkunft unserer Rohstoffe», sagt Silvan Schmid. «Schwierigkeiten halten uns nicht ab.»
So ist es klar, dass Palm- und Kokosfett nicht eingesetzt werden, mag der Einkauf noch so billig und einfach sein. «Die Grundlage unserer Salben sind die Fette von Murmeltier, Hirsch, Gämse und Dachs – von Tieren, die in der Schweiz gejagt werden und zu deren sinnvoller Verwertung wir beitragen wollen.» Den jährlichen Bedarf von 7 bis 8 Tonnen Wildtierfett aus Schweizer Jagd decken rund 400 Lieferanten – Metzgereien in Jagdgebieten, Jagdgesellschaften und zahlreiche einzelne Jägerinnen und Jäger.
Dazu kommen Raps- und andere pflanzliche Öle von Schweizer Äckern, Schweizer Bienenwachs, kleinere Mengen Fichtenharz von privaten Sammlern und Kräuter. Edelweiss und Berghauswurz werden in der Gärtnerei von Bad Heustrich angebaut. Viele andere Kräuter kommen aus Haus- und Bauerngärten – allein für die gefragten natürlichen Deos kiloweise Ringelblumen aus Gärten im Kandertal.
«Für das Lanolin haben wir in der Schweiz bisher niemanden gefunden, der uns die benötigte Menge liefern kann», bedauert Silvan Schmid. So beziehe man das Fett der Schafwolle anderswo in Westeuropa. «Denn mit seinen guten Pflegeeigenschaften ist Lanolin für unsere alpinen Naturkosmetik-Produkte ideal.» Und seine Nutzung habe in der Schweiz eine Tradition, an die vielleicht wieder einmal ein einheimischer Lanolinproduzent anknüpfe.


Traditionelles Wissen
Typisch für die Art, wie das Unternehmen Neuerungen anpackt, ist das neue, auch für ein junges Publikum interessante Deodorant. Es verhindert nicht das Schwitzen, sondern die Geruchsbildung durch Bakterien, indem es mit Natron, Heilerde und anderen natürlichen Stoffen das Bakterienwachstum hemmt.
«Für die interne Entwicklung und Produktion haben wir zwei Jahre Zeit und Geld für Spezialkenntnisse und neue Maschinen investiert», sagt Silvan Schmid. Dabei habe Puralpina schon auf viel traditionelles Wissen aufgebaut. «Wir wussten, dass es funktionieren kann.» Und so wurden Herausforderungen wie die Mischung von Wachsen, Ölen und Pulver für eine feine und angenehme Konsistenz eine nach der anderen überwunden.